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Kritische Philosophie

Die Kritische Philosophie geht zurück auf die Aufklärungszeit. Indem sie die Tendenzen und Ideen dieser Epoche auf klare und bestimmte Begriffe brachte, wurde sie selbst zu einer geistigen Macht dieser Zeit. Das "Zeitalter der Vernunft, das philosophische Zeitalter", ist die Zeit "des Ausgangs des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit", die Zeit der Befreiung des Denkens von Bevormundung, Traditionen und Gewohnheiten. Das "sapere aude!" - "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" - "Wage selbst zu denken!" ist ihre Maxime geworden.

Die Kritische Philosophie macht keine Sinnangebote, sie erweitert nicht glanzvoll die Erkenntnisse von der Welt – wie die Wissenschaften –, sondern sie konzentriert sich in der Tradition Immanuel Kants auf das erkennende Subjekt und sein Erkenntnisvermögen. Sie beginnt mit der Vernunftkritik im doppelten Sinne, mit der Kritik vermittels der Vernunft, aber auch mit der kritischen Untersuchung der Vernunft selbst. Dabei befasst sie sich nicht mit den Inhalten der Erkenntnis, sondern nur mit der Form und Struktur der Erkenntnis und stellt somit den entscheidenden ersten Schritt zur Selbsterkenntnis der Vernunft dar. Ihre Analysen werden geleitet von der regulativen Idee einer begründeten Wahrheit, an der sich sowohl die theoretischen wie auch die moralisch-praktischen Diskurse orientieren. Auf diese Weise vermeidet die Kritische Philosophie sowohl Dogmatismus wie Skeptizismus, und sie ermöglicht ebenso, gegen verschiedenste aktuelle und historische Formen von Irrationalität und Ideologie Position zu beziehen.

Leonard NelsonLeonard Nelson führt bei der Erarbeitung seines Systems der Vernunft die von J. F. Fries begründete Richtung der Kritischen Philosophie weiter. Er geht von unmittelbaren Erkenntnissen der Vernunft aus, die in kritischer Reflexion freizulegen und zu begründen sind. Der Grundsatz vom Selbstvertrauen der Vernunft ist Grundlage dieses Verfahrens.

Im Mittelpunkt der Nelson´schen Philosophie steht die vernunftkritische Grundlegung der Ethik. Er entwickelt den kategorischen Imperativ Kants zu einem Abwägungsgesetz weiter, mit dessen Hilfe im Falle des Konflikts von Interessen entschieden werden kann, ob eine Handlung moralisch erlaubt ist. Die Gleichheit der Würde jeder Person ist das Prinzip dieser Ethik. Dieses "Sittengesetz" ist die Grundlage der rechtlichen und politischen Organisation eines menschenwürdigen Zusammenlebens. Im Gegensatz zu Kant bringt L. Nelson die Interessen der Betroffenen ein, behält aber eine monologische Form der Abwägung bei. Seine Sokratische Methode verweist verweist demgegenüber auf die dialogische Dimension der zu erarbeitenden Konsense.

In seiner Pädagogik mit dem Ideal der vernünftigen Selbstbestimmung zeigt Nelson, wie das Sittengesetz durch Bildung im Leben des einzelnen verankert werden kann. Wie das Sittengesetz in den äußeren Verhältnissen des gesellschaftlichen Zusammenlebens realisiert werden kann, zeigen die Rechtslehre und die Politik mit ihrem Ideal einer gerechten Gesellschaft. Dies führte zu einer ethischen Begründung des Sozialismus und der Idee einer internationalen Friedensordnung.

Es kennzeichnet Nelsons Persönlichkeit und sein Lebenswerk, dass er die methodisch gewonnenen Erkenntnisse auch in die Praxis umzusetzen versucht hat. Auch hier orientiert er sich an der in der kantischen Philosophie geforderten Einheit von Theorie und Praxis. Seine ethischen und pädagogischen Ideen konnten in der Reformschule Walkemühle und in der Philosophisch-Politischen Akademie erprobt werden. Um eine am Sittengesetz orientierte politische Gemeinschaft zu realisieren, gründete er in der Weimarer Republik die politischen Vereinigungen Internationaler Jugendbund (IJB) und Internationaler Sozialistischer Kampfbund (ISK).

Zur Kritischen Philosophie gehört, dass ihre Erkenntnisse und Methoden nie als endgültig angesehen werden können. Ihre Weiterentwicklung zu fördern, ist eine der Aufgaben der Philosophisch-Politischen Akademie. Sie bietet heute Raum für die diskursive Verständigung über unterschiedliche Ansätze ethischen, politischen und pädagogischen Handelns, die mit den wesentlichen Zielen der Nelson´schen Philosophie im Zusammenhang stehen. Ihr Anliegen ist wegen ihrer praktischen Impulse für sozial gerechtes und vernunftorientiertes politisches und pädagogisches Handeln immer noch aktuell.

In Anknüpfung an den antiken Sokrates begründete Nelson die Sokratische Methode neu und zeigte damit eine dialogische und prozessorientierte Form des kritischen Philosophierens auf, die besonders von seinen Schülern Gustav Heckmann, Minna Specht und Grete Henry-Hermann weiter entwickelt wurde. Das kritische sokratische Philosophieren zeigt verwandte und vergleichbare Elemente mit der Diskurstheorie. In pädagogischen und sozialen Kontexten wird es oft auch in Beziehung zur Themenzentrierten Interaktion (begründet von Ruth Cohn) und zur Logotherapie von Viktor Frankl gesetzt.

Aktuell

Bedingungsloses Grundeinkommen
Dortmunder politisch-philosophische Diskurse
(10. Juni 2016)
Einladung und Programm
Sokratische Gespräche 2016 /
Socratic Dialogues 2016
Deutsch:
GSP-Programm 2016 (pdf)
Anmeldung Sokratische Gespraeche 2016 (doc)
Anmeldung Sokratische Gespraeche 2016 (pdf)
English:
GSP-Programme 2016 (pdf)
Enrolment Socratic Dialogues 2016-E (doc)
Enrolment Socratic Dialogues 2016 (pdf)

Rückschau

Sokratische Gespräche Herbst 2015 /
Socratic Dialogues in Autumn 2015
(9 to 11 October)
Deutsch:
GSP Herbstprogramm 2015 (pdf)
Anmeldeformular Herbst 2015 (doc)
English:
GSP Autumn Programme 2015 (pdf)
Enrolment Form Autumn 2015 (pdf)
Philosophiedidaktische Tagung Münster,
7. Nov. 2015
Programmflyer (pdf)
Einladung (pdf)

Zuletzt erschienen:

Sokratik und Urteilskraft in pädagogischer Praxis, hg. v. B. Neisser, Münster 2013
zum Verlag
Kinder philosophieren, hg. v. B. Neisser, U. Vorholt, Münster 2012
zum Verlag
Leonard Nelson: Typische Denkfehler in der Philosophie, hg. v. A. Brandt u. J. Schroth, Hamburg 2011
zum Verlag
The Challenge of Dialogue, hg. v. j. P. Brune, H. Gronke, D. Krohn, Münster 2011
zum Verlag
Klaus Draken: Sokrates als moderner Lehrer, Münster 2011
zum Verlag

Besuchen Sie auch die Schwester-
organisation

SFCP

(Society for the Furtherance of Critical Philosophy)

 

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