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Sokratischer
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Im sokratischen Gespräch
sollen die Teilnehmer eigene Einsichten zu der jeweiligen Frage erlangen.
Gustav Heckmann schrieb dazu: "Das Ziel ist, daß die Teilnehmer Einsichten
gewinnen, und das heißt: sie im eigenen Geist auffinden. Einsicht ist
etwas anderes als durch Sinneswahrnehmung vermittelte Kenntnis oder ein Wissen,
das mir durch einen anderen vermittelt wird. Jeder kann die Einsicht nur
reflektierend im eigenen Geiste finden. Das Gespräch zwischen Partnern,
unter denen keiner für den anderen Autorität ist, kann dazu wesentlich
helfen."
Bei der Suche nach eigenen Einsichten ist das Bemühen um Wahrheit die treibende Kraft. Das Denken jedes einzelnen ist notwendig begrenzt, es wird beeinflußt von seinen individuellen Erfahrungen und Gefühlen. Im Sokratischen Gespräch bemühen wir uns, die eigenen Gedanken an denen anderer zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren oder zu modifizieren, also in Gemeinschaft zu denken und zu Aussagen zu kommen, denen alle zustimmen können. Immer wieder stellen Teilnehmer fest, daß die Gespräche weiterwirken, daß sie später auch im Alltag kritischer an Gesprächen teilnehmen, genauer zuhören, Phrasen hinterfragen, weniger anfällig geworden sind gegen Dogmen oder bloße Schlagworte. Das Selbstvertrauen wächst durch die Erfahrung, daß wir nicht darauf angewiesen sind, Urteile von Autoritäten zu übernehmen, sondern durch eigenes Denken und Argumentieren selber zu begründeten Urteilen kommen können. So hat das Sokratische Gespräch, selbst wenn es sich nicht unmittelbar mit einem politischen Thema befaßt hat, als anti-doktrinäre Gesprächsform eine politische Wirkung im Sinne der Förderung mündiger Bürger. Auch kann das Nachdenken über ethische Fragen über das jeweils behandelte Thema hinaus zu einer Orientierungshilfe bei der Auseinandersetzung mit Problemen der Lebensführung und des gesellschaftlichen Zusammenlebens werden.
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Voraussetzung für die Teilnahme an einem Sokratischen Gespräch ist, daß jeder Teilnehmer nur seine eigenen Überlegungen auszudrücken versucht und sich nicht auf irgendwelche Autoritäten bezieht. Er soll auch nicht Thesen vertreten, von denen er nicht überzeugt ist. Im sokratischen Gespräch vertraut man darauf, daß jeder Teilnehmer für das, was er vorbringt, Gründe hat. Nur auf dieser Grundlage ist es möglich, daß alle Gesprächsteilnehmer sich gegenseitig ernst nehmen und beanspruchen können, ernst genommen zu werden. Durch den Austausch von Argumenten und Gründen gelingt es allmählich, den Wahrheitskern auch von zunächst gegensätzlich erscheinenden Auffassungen herauszuschälen. Im Sokratischen Gespräch kommt es nicht darauf an, Recht zu behalten: Das gemeinsame Anliegen ist, zu einer besseren Einsicht zu gelangen. Voraussetzung für das Gelingen eines Sokratischen Gesprächs sind die ununterbrochene Teilnahme aller Teilnehmer vom Anfang bis zum Ende des Gesprächs, die Bereitschaft, sich aktiv am Gespräch zu beteiligen, sich klar auszudrücken, deutlich zu sprechen, keine langen Reden zu halten, den anderen Teilnehmern gut zuzuhören und zu versuchen, sie zu verstehen: Je intensiver die Verständigung unter den Teilnehmern ist, umso besser wird das Ergebnis des Gesprächs sein.
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Ausgehend von der jeweiligen Fragestellung wird in der Regel ein
möglichst selbsterlebtes Beispiel zum Thema gesucht und analysiert.
Entsprechend geht man bei mathematischen Themen von konkreten Beispielen
bzw. Figuren aus. Die wichtigsten Regeln des Sokratischen Gesprächs
sind:
Wenn die Gesprächsgruppe ein Urteil gewonnen hat, dem alle zustimmen können, ist ein Konsens erreicht. Obwohl ein solcher Konsens angestrebt wird, sollte kein Teilnehmer echte Zweifel um eines schnellen Konsenses willen zurückstellen. Jeder Teilnehmer kann einen Konsens wieder in Frage stellen, wenn er begründete Zweifel hat. Dies kann er auch dann, wenn er dem Urteil zu einem früheren Zeitpunkt ausdrücklich zugestimmt hat. Die wichtigen Aussagen bzw. Gedankenschritte werden für alle sichtbar als "roter Faden" schriftlich festgehalten. Die Gruppe bemüht sich zuerst um eine Verständigung über das gewählte konkrete Beispiel. Dies schließt häufig Klärungen über die Verwendungsweise von Bezeichnungen und begrifflichen Inhalten ein. Wichtig sind die Urteile, die zu dem Beispiel gefällt werden. Sodann werden die Prinzipien, Überzeugungen und Werte freigelegt, die den anfangs gefällten Urteilen zugrundeliegen. Erst dann kann in die Untersuchung eingetreten werden, wieweit die für das Beispiel aufgestellten Behauptungen allgemeingültig sind. Dazu sind weitere Überlegungen und Argumente zu prüfen und ggf. notwendige Abänderungen vorzunehmen. Ob ein sokratisches Gespräch gelingt, hängt vom Zusammenwirken der Gruppe ab, nicht nur von der Leitung. Jeder Teilnehmer ist für die Beachtung der Regeln, aber auch für eine hinreichende Flexibilität und einen konstruktiven Gesprächsverlauf mitverantwortlich.
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Unverzichtbar für das Gelingen eines solchen Gesprächs ist, daß alle Teilnehmer am Gespräch beteiligt sind und am Sachproblem arbeiten. Dadurch, daß der Leiter sich nicht am Sachgespräch beteiligt, kann er sich ganz auf seine Aufgaben konzentrieren. Der Leiter wird versuchen, den Teilnehmern Hindernisse für die eigene Einsicht aus dem Weg zu räumen. Seine Vertrautheit mit dem Thema hilft ihm, wichtige Gesprächsbeiträge für die Gruppe produktiv werden zu lassen und den Gesprächsgang so zu lenken, daß gemeinsame Einsichten ermöglicht werden. |
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In der Regel übernimmt ein in sokratischen Gesprächen erfahrener Teilnehmer die Leitung des Metagesprächs. Der Leiter des Sachgesprächs beteiligt sich an diesem Gespräch. |
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