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hierWas sind Sokratische Gespräche?

Sokratischer
Dialog und Nelsons Sokratische
Methode

Leonard Nelson und seine Philosophie

Sokratisches Gespräch und Diskurstheorie

Themen Sokratischer GesprächeFür Sokratische Gespräche sind solche Themen – und nur solche – geeignet, für die durch Nachdenken eine Antwort gefunden werden kann und die dem Erfahrungsbereich aller Teilnehmer zugänglich sind. Themen, für die empirische oder historische Untersuchungen erforderlich sind oder für die es nur subjektive Antworten geben kann, sind für ein Sokratisches Gespräch ungeeignet. In Betracht kommen daher vor allem ethische, erkenntnistheoretische oder mathematische Themen. Bei ethischen Themen können pädagogische, politische oder psychologische Schwerpunkte gesetzt werden. Hier einige Beipiele für Themen, die in den letzten Jahren behandelt wurden: 
  • Was ist Unrecht? 
  • Wofür sind wir verantwortlich? 
  • Gibt es Werte, die unser Leben bestimmen sollten? 
  • Was bedeutet "sinnvoll"? 
  • Welche Kriterien kennzeichnen einen guten Erzieher / eine gute Erzieherin? 
  • Was macht ein Leben zu einem guten Leben? 
  • Hat die Natur ein Recht? 
  • Gibt es berechtigte Ungleichheiten? 
  • Sind Freiheit und Staat vereinbar? 
  • Soll man die Frage der Abtreibung allein den Frauen überlassen? 
  • Was gibt mir die Kraft, nicht den Mut zu verlieren? 
  • Unter welchen Voraussetzungen sind wir berechtigt, etwas für wahr zu halten? 
  • Was heißt es, eine Behauptung zu begründen? 
  • Welche Körper gibt es, die von lauter gleichen Flächen mit gleichen Seiten und gleichen Winkeln begrenzt werden? 
  • Ist jede Primzahl, die größer als drei ist, Nachbar eines Vielfachen von sechs? 

Im Prinzip ist jedes philosophische oder mathematische Thema geeignet, das eine hinreichende Nähe zur Alltagserfahrung aufweist. Für die sokratischen Woche wählen die Gesprächsleiter Themen aus den verschiedenen Teilgebieten der Philosophie aus und bemühen sich, auch ein mathematisches Thema anzubieten. 

Die Themen werden so ausgesucht und formuliert, daß zu erwarten ist, daß die Teilnehmer an dem Thema interessiert sind und die Gruppe in der zur Verfügung stehenden Zeit zu einem Ergebnis gelangen kann. 

Mathematische Themen – zumindest die, die im Rahmen dieser Seminare gestellt wurden und werden – sind in bestimmter Hinsicht besonders geeignet und fruchtbar für die sokratische Arbeit: Sie knüpfen an elementare Erfahrungen mit Figuren und Zahlen an, über die jeder verfügt. Dadurch ermöglichen sie jedem einen unmittelbaren Zugang. Es ist in der Regel leichter als bei anderen Themen, sich über den Inhalt der Begriffe zu einigen, die man verwendet, und die Gruppe kommt erfahrungsgemäß eher zu befriedigenden Antworten auf die Ausgangsfrage. Auch kommt es weniger zu störenden Emotionen. 

Im Kontrast zu diesen Vorteilen mathematischer Themen stehen häufig Befürchtungen von Teilnehmern, sie "könnten keine Mathematik". Groß ist inzwischen jedoch die Zahl derer, für die sich diese Befürchtungen als unbegründet erwiesen und die während solcher Gespräche erstmals die für sie überraschende und befriedigende Erfahrung gemacht haben, daß sie kraft ihres eigenen Denkens zu mathematischen Einsichten gelangen können. 


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Die Tradition des Sokratischen GesprächsLeonard Nelson (1882-1927) war an der Universität Göttingen Professor für Philosophie. als er im Jahre 1927 im Alter von nur 45 Jahren starb, hinterließ er ein umfangreiches Werk. Zu seinen bedeutensten pädagogischen Leistungen gehört zweifellos die Entwicklung der sokratischen Methode. Er hat diese Methode selber praktiziert und stellte sie vor in einem Vortrag bei der Pädagogischen Gesellschaft in Göttingen am 11. Dezember 1922 (Leonard Nelson: Gesammelte Schriften Bd. 1, 269-316). 

Unter Nelsons Zuhörern in Göttingen war Gustav Heckmann (1898-1996), damals Student der Mathematik, Physik und Philosophie, den die Gestalt des Sokrates, dessen Suche nach Wahrheit und dessen Ablehnung jedes Dogmatismus seit seiner Gymnasialzeit fasziniert hatten. Er sah in der sokratischen Methode die Möglichkeit, Menschen anzuleiten, in gleichberechtigtem Diskurs einander gegenseitig bei der Klärung ihrer Gedanken zu helfen und zu vertieften Einsichten zu gelangen. Gustav Heckmann entschloß sich, die sokratische Methode, wie er sie bei Nelson kennengelernt hatte, zu erlernen und zu praktizieren. 

Nach seiner Promotion bei Max Born (1924) und dem Staatsexamen für das höhere Lehramt (1925) war er von 1927 bis 1931 Lehrer am Landerziehungsheim Walkemühle. 1933 ging er mit der Schule ins Exil nach Dänemark und später nach England. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück und erhielt eine Professur für Philsophie und Pädagogik in Hannover. 

Gustav Heckmann hat die sokratische Methode jahrzehntelang in der Erwachsenenbildung und der Lehrerbildung praktiziert. Er hat die sokratische Methode zudem weiterentwickelt und ab 1969 einen Kreis von jüngeren Menschen angeleitet, Sokratische Gespräche zu leiten. Aus diesem Kreis ist die GSP hervorgegangen, deren Ehrenmitglied er und seine Ehefrau Charlotte wurden.

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