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Was sind Sokratische Gespräche?

hierSokratischer
Dialog und Nelsons sokratische Methode

Leonard Nelson und seine Philosophie

Sokratisches Gespräch und Diskurstheorie

Sokratischer Dialog und Nelsons sokratische MethodeDer Vergleich zwischen dem klassischen sokratischen Dialog und der Nelsonschen sokratischen Methode verdeutlicht zunächst die unterschiedlichen Strukturen beider Gesprächstypen. Während es sich bei Sokrates im Kern um einen Dialog zwischen genau zwei Personen – Sokrates und seinem jeweiligen Gesprächspartner – handelt, sind es bei Nelson immer mehrere Personen, die miteinander sprechen. Beides sind Gespräche mit maieutischer Absicht, bei denen der Gesprächspartner bzw. die Gesprächsteilnehmer nicht belehrt werden, sondern dabei unterstützt werden, ihre eigenen Urteile zu treffen. Sokrates bzw. der Nelsonsche Gesprächsleiter setzen unterschiedliche Instrumentarien ein, um das Gespräch zum Erfolg zu führen. Bei Sokrates ist es vor allem die Frage, die das Gespräch charakterisiert. Mit der Frage transportiert er jedoch gleichzeitig Inhalte. Im Grunde stammen die Argumentationen in den durch Platon überlieferten sokratischen Dialogen von Sokrates selbst. In den den Gesprächsverlauf prägenden Entscheidungsfragen wie "Ist es nicht so, daß ..." oder "Meinst du nicht, daß ..." sind die wichtigen Gedanken enthalten. Dem Geprächspartner obliegt es, mit "ja" oder "nein" seine Zustimmung oder Nicht-Zustimmung auszudrücken. Er ist Mitvollziehender eines Gedankenganges, der im wesentlichen durch Sokrates bestimmt wird. 

Die Aufgabe zu argumentieren liegt im Nelsonschen Sokratischen Gespräch ganz bei den Teilnehmern. Der Gesprächsleiter wirkt indirekt: Sein Eingreifen hat in der Hauptsache die Funktion, das Gespräch zwischen den Teilnehmern so zu steuern, daß diese sich gegenseitig richtig verstehen und daß sie bei der jeweils zu beantwortenden Frage bleiben. Die Zurückhaltung in der Sache entlastet den Gesprächsleiter, so daß er seine Aufmerksamkeit darauf konzentrieren kann, wie sich das Gespräch entwickelt und wie er gegebenenfalls gesprächssteuernde Maßnahmen einsetzen kann, um dabei zu helfen, daß das Gespräch gelingt. Sein Wissen in der Sache bringt er indirekt ein, indem er z.B. durch Wiederholenlassen, durch Aufschreiben einzelner Beiträge an der Tafel wichtige Gedanken der Teilnehmer ins Zentrum der gemeinsamen Aufmerksamkeit rückt. Seine Gesprächsführung benutzt also fast nur gesprächssteuernde Fragen bzw. gesprächssteuernde Aufforderungen. 

Die Strukturen von sokratischem Dialog und Nelsonschem Sokratischem Gespräch sind in den Abbildungen 1 und 2 in Diagrammen dargestellt.

Abb.1In Abb. 1 drückt der Pfeil, der für die Kommunikation zwischen Leiter (L) und Gesprächspartner (T) steht, die asymmetrische, in Abb. 2 die symmetrische Struktur der Kommunikation zwischen hier grundsätzlich gleichberechtigten Teilnehmern (T1, T2, ...) aus. Leiter und Teilnehmer orientieren sich bei beiden Gesprächstypen an der Sache (S).

Abb.2Die gestrichelte Linie in Abb. 2 steht für den indirekten Charakter der Gesprächsleitung im Nelsonschen Sokratischen Gespräch. Eine Asymmetrie besteht auch hier, weil sich der Leiter zwar an die Teilnehmer richtet, diese aber i.a. nicht an ihn. 

In beiden Gesprächstypen ist das eigene Urteil der Teilnehmer gefragt. Bei Sokrates wird aus der Frage "Ist es nicht so, daß ..." durch die Bejahung des Gesprächspartners eine durch sein Urteil bestätigte Aussage. Im Nelsonschen Gespräch werden die Teilnehmer immer wieder gehalten zu prüfen, ob sie den aufgestellten Sätzen wirklich zustimmen. Erst wenn gemeinsam alle Einwände verworfen worden sind, kann die Zustimmung zu Ergebnissen führen, die gemeinsam getragen werden. Beide Gesprächstypen sind Prüfprozesse, um zu begründeten Aussagen zu gelangen. Gemeinsam ist beiden auch der Weg, vom Konkreten ausgehend zu Grundsätzen zu gelangen. Aber erst die Nelsonsche sokratische Methode löst durch die inhaltliche Zurückhaltung des Leiters den maieutischen Anspruch des Sokrates wirklich ein.

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