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Inhalt
Was sind Sokratische Gespräche?
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Der Vergleich zwischen dem klassischen sokratischen Dialog und der
Nelsonschen sokratischen Methode verdeutlicht zunächst die unterschiedlichen
Strukturen beider Gesprächstypen. Während es sich bei Sokrates
im Kern um einen Dialog zwischen genau zwei Personen Sokrates und
seinem jeweiligen Gesprächspartner handelt, sind es bei Nelson
immer mehrere Personen, die miteinander sprechen. Beides sind Gespräche
mit maieutischer Absicht, bei denen der Gesprächspartner bzw. die
Gesprächsteilnehmer nicht belehrt werden, sondern dabei unterstützt
werden, ihre eigenen Urteile zu treffen. Sokrates bzw. der Nelsonsche
Gesprächsleiter setzen unterschiedliche Instrumentarien ein, um das
Gespräch zum Erfolg zu führen. Bei Sokrates ist es vor allem die
Frage, die das Gespräch charakterisiert. Mit der Frage transportiert
er jedoch gleichzeitig Inhalte. Im Grunde stammen die Argumentationen in
den durch Platon überlieferten sokratischen Dialogen von Sokrates selbst.
In den den Gesprächsverlauf prägenden Entscheidungsfragen wie "Ist
es nicht so, daß ..." oder "Meinst du nicht, daß ..." sind die
wichtigen Gedanken enthalten. Dem Geprächspartner obliegt es, mit "ja"
oder "nein" seine Zustimmung oder Nicht-Zustimmung auszudrücken. Er
ist Mitvollziehender eines Gedankenganges, der im wesentlichen durch Sokrates
bestimmt wird.
Die Aufgabe zu argumentieren liegt im Nelsonschen Sokratischen Gespräch ganz bei den Teilnehmern. Der Gesprächsleiter wirkt indirekt: Sein Eingreifen hat in der Hauptsache die Funktion, das Gespräch zwischen den Teilnehmern so zu steuern, daß diese sich gegenseitig richtig verstehen und daß sie bei der jeweils zu beantwortenden Frage bleiben. Die Zurückhaltung in der Sache entlastet den Gesprächsleiter, so daß er seine Aufmerksamkeit darauf konzentrieren kann, wie sich das Gespräch entwickelt und wie er gegebenenfalls gesprächssteuernde Maßnahmen einsetzen kann, um dabei zu helfen, daß das Gespräch gelingt. Sein Wissen in der Sache bringt er indirekt ein, indem er z.B. durch Wiederholenlassen, durch Aufschreiben einzelner Beiträge an der Tafel wichtige Gedanken der Teilnehmer ins Zentrum der gemeinsamen Aufmerksamkeit rückt. Seine Gesprächsführung benutzt also fast nur gesprächssteuernde Fragen bzw. gesprächssteuernde Aufforderungen. Die Strukturen von sokratischem Dialog und Nelsonschem Sokratischem Gespräch sind in den Abbildungen 1 und 2 in Diagrammen dargestellt.
In beiden Gesprächstypen ist das eigene Urteil der Teilnehmer gefragt. Bei Sokrates wird aus der Frage "Ist es nicht so, daß ..." durch die Bejahung des Gesprächspartners eine durch sein Urteil bestätigte Aussage. Im Nelsonschen Gespräch werden die Teilnehmer immer wieder gehalten zu prüfen, ob sie den aufgestellten Sätzen wirklich zustimmen. Erst wenn gemeinsam alle Einwände verworfen worden sind, kann die Zustimmung zu Ergebnissen führen, die gemeinsam getragen werden. Beide Gesprächstypen sind Prüfprozesse, um zu begründeten Aussagen zu gelangen. Gemeinsam ist beiden auch der Weg, vom Konkreten ausgehend zu Grundsätzen zu gelangen. Aber erst die Nelsonsche sokratische Methode löst durch die inhaltliche Zurückhaltung des Leiters den maieutischen Anspruch des Sokrates wirklich ein. |
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