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Was sind Sokratische Gespräche?
Sokratischer
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Zeitlich fällt Nelsons Philosophie
in die Spätphase des Neukantianismus (1900-1925), die für die
Philosophie in Deutschland eine Umbruchsituation darstellte: Neben den
verschiedenen neukantianischen Schulen gab es erste Ansätze in Richtung
der Analytischen Philosophie und der Phänomenologie. Nelson knüpfte
bewußt an die Richtung des Kantianismus an, die Jakob Friedrich Fries
eingeschlagen hatte. Die beiden großen neukantianischen Schulen, die
Marburger und die Südwestdeutsche Schule, beurteilten die Nelsonsche
Philosophie um die Jahrhundertwende abwertend als Psychologismus. Die Marburger
Neukantianer Cohen, Natorp und Cassierer entwickelten ein geltungslogisches
Begründungsprogramm wissenschaftlicher Erkenntnis, mit dem sich Nelson
bereits in seinen frühen erkenntnistheoretischen Schriften kritisch
und außerordentlich polemisch auseinandersetzte. Ebenso kritisierte
er aber auch die Wertphilosophie von Windelband und Rickert und die
phänomenologische Methode von Husserl als logisch unhaltbare
Begründungsversuche.
Nelsons eigene Philosophie basiert auf der regressiven Methode der Abstraktion, die die Vernunftgrundlagen unseres Erkennens und Handelns aufweisen soll. Sie hat, aus heutiger Sicht betrachtet, eine Reihe von Motiven mit den von ihm kritisierten Philosophien führender Neukantianer gemeinsam: Rückgriff auf Kant und dessen transzendentale Analyse der Vernunft, das Bestreben, die Philosophie als Begründungswissenschaft vor der wachsenden Bedeutung der empirischen Einzelwissenschaften zu retten, den Versuch der Letztbegründung von Erkenntnis, einen ungebrochenen Glauben an die Vernunft sowie die Integration der frühplatonischen Vernunftkonzeption in die kritische Philosophie. Die zentrale Bedeutung von Nelsons Werk ist in der Ausarbeitung einer wissenschaftlich begründeten Ethik und in deren praktischen Verwirklichungsmöglichkeiten zu sehen. Diese Ethik zeigt neben der eindeutigen kantianischen bzw. neukantianischen Prägung aber auch Affinitäten zur frühen Analytischen Philosophie. Dies wird vor allem deutlich in Nelsons axiomatischem Begründungsprogramm, der logischen Stringenz seiner Beweisführung und seiner klaren Sprache. Nelson setzte seine theoretischen Konzepte in praktisches, pädagogisches und politisches Handeln um, indem er sowohl pädagogische wie politische Institutionen schuf und leitete. Auch hierin zeigt sich eine Paralle zu Werken anderer Neukantianer; von Friedrich Albrecht Lange bis Paul Natorp hatten sich führende Neukantianer immer wieder in der praktischen Politik für sozialistische Ideen engagiert. Ebenso waren eine Reihe von Denkern in der letzten Phase der neukantianischen Philosophie herausragende Pädagogen (so Eduard Spranger und Paul Natorp). Ein zentrales Anliegen Leonard Nelsons war, Philosophie wissenschaftlich zu begründen. In seiner theoretischen Philosophie knüpfte Nelson in Fortführung der kritischen Methode an Immanuel Kant an, durch die (kritische) Rückfrage nach den Bedingungen der Erkenntnis diese auf eine rationale Grundlage zu stellen. Dabei leitete ihn in klassischer Weise der Gedanke eines axiomatischen Systems analog zur Mathematik, in dem jedes Urteil begründet wird durch andere Urteile usf., bis man vor der Frage nach der Begründung letzter Urteile steht. Zwischen Skeptizismus und Dogmatismus verfolgte Nelson einen dritten Weg der Erkenntnis-Begründung. Nelsons Ziel war, die Möglichkeit von Erkenntnis durch den Rückgriff auf unmittelbare Erkenntnisse nicht-anschaulicher Art zu begründen. Mit der Methode der "regressiven Abstraktion" werden Erfahrungsurteile analysiert und die ihnen zugrunde liegenden Prinzipien aufgedeckt (nicht etwa induktiv gefolgert). Deren Rechtfertigung erfolgt durch die Methode der "psychologischen Deduktion", Ergebnisse werden durch die unmittelbare Vernunft in der Selbstbeobachtung aufgewiesen. In diesem Sinn ist das "Selbstvertrauen der Vernunft" das Kernstück der Nelsonschen Philosophie, die Nelson anknüpfend an die Ergebnisse von Jakob Friedrich Fries entwickelte. Nelson anerkennt die Bedeutung der "inneren Erfahrung", seine Philosophie mündet in Vernunftkritik. Nelson hat sich intensiv (und teilweise polemisch) mit der zeitgenössischen Erkenntnistheorie, aber auch mit mathematischen und naturwissenschaftlichen Themen auseinandergesetzt. Die programmatische Abhandlung "Die Unmöglichkeit der Erkenntistheorie" im Jahre 1911 richtet sich lediglich gegen die Diskussion im Neukantianismus um das Postulat der Existenz eines Erkenntniskriteriums, die Nelson als das erkenntnistheoretische Vorurteil ad absurdum führte. Die Tragfähigkeit und Begriffsschärfe der Nelsonschen Erkenntnisphilosophie wird gegenwärtig nicht einheitlich beurteilt. In Nelsons rigoroser Bemühung um Klärung des Wahren auch in konkreten Urteilen können Parallelen zu gegenwärtigen Naturalisierungsbemühungen der Erkenntistheorie gesehen werden. Die antiskeptische Haltung, mit der er an unhintergehbaren Einsichten festhielt, teilt Nelson mit der Letztbegründungsphilosophie gegenwärtiger Transzendentalpragmatik, wobei die intersubjektive Dimension noch nicht explizit thematisiert wird, die in der Entwicklung der sokratischen Methode jedoch schon impliziert ist. |
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