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Inhalt
Das
Sokratische Gespräch Sokratische Gespräche und politische Bildung
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Mit der Betonung des
"Willens zum Sein" grenzt Frankl seine sogenannte "Dritte Wiener Schule"
ab von Freuds Psychoanalyse ("Willen zur Lust") und Adlers Individualpsychologie
("Willen zur Macht"). Der menschliche Wille zum Sinn wird in der Logotherapie
als empirisch nachweisbar angenommen, und es wird vorausgesetzt, daß
die Freiheit des Willens dem Menschen zugehörig und daß das Leben
unter allen Umständen sinnvoll ist. Im Unterschied zu den humanistischen
Psychologien wird in der Logotherapie nicht die Selbstverwirklichung, sondern
die Selbst-Transzendenz als höchstes Ziel menschlichen Daseins
gesehen.
Nach Frankl hat Mensch-Sein drei einander durchdringende Dimensionen. In seiner Dimensionalontologie nimmt Frankl in Anspruch, daß seine Schule als einzige unter den Psychotherapien der geistigen oder noetischen Dimension den angemessenen Rang, nämlich den höchsten, einräumt. Die noetische Sphäre ist der Ort der freien Stellungname zu Leiblichkeit und Befindlichkeit, des Wert-Verständnisses und der wertorientierten Willensentscheidungen. Damit ist die Nähe zum sokratischen Denken offenkundig: Dem Menschen wird zugetraut und zugemutet, zu sich selbst in jeder Lebenslage Distanz einzunehmen wie Sokrates es vorgelebt hat, als er seine prüfende Haltung auch angesichts des Todes noch auf sich selbst anwandte. Im logo-therapeutischen Prozeß ist die Sinnsuche gleichbedeutend dem Wecken (oder Wach-Werden) von Wertbewußtsein und dem Training im Abwägen der Werte. Entscheidungsschwäche soll so überwunden werden. Getroffene Entscheidungen sollen verantwortungsbewußt auch gegen Widerstände in Handeln umgesetzt werden. An das Sokratische Gespräch, in dem das Begründen von Urteilen und auch von Wertvorstellungen geübt wird, knüpfen sich ganz ähnliche Hoffnungen: Die in der sokratischen Methode geübten und erfahrenen Menschen werden autonomer zu begründeten Urteilen kommen und eher in der Lage sein, ihr Handeln danach auszurichten. Wo die Logotherapie den engeren therapeutischen Zusammenhang sprengt und zur "Erziehungs-Auffassung" wird, erreicht sie eine besondere Nähe zur sokratischen Bildungsauffassung. |
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