| Start |
Inhalt
|
Minna Specht: Biografisches
Politische und pädagogische Arbeit
Exil und Neuanfang
Kindheit auf Schloss ReinbekMinna Specht wird am 22.12.1879 als siebtes Kind des Ehepaares Mathilde und Wilhelm Specht geboren. Sie wächst auf Schloss Reinbek auf. Die Familie hat das Schloss 1874 erworben. Der ursprüngliche Besitz des Vaters, das ererbte Jagdschloss Friedrichsruh im Sachsenwald, ging als Geschenk des Kaisers an den in den Fürstenstand erhobenen Reichskanzler Bismarck. Ab 1874 finden in dem ca. 70-zimmrigen Schloss Umbauten mit dem ziel statt, es als Hotel herzurichten. Das Schloss wird nur im Sommer als Hotel betrieben und bleibt im Winter geschlossen. Die Saison beginnt im Mai und endet im September. Die Gäste sind vornehmlich Hamburger, die ihre Familien dort zur "Sommerfrische" unterbringen. Die vor dem linken Flügel es Schlosses liegenden 2 kleinen Häuser werden als Wohnraum genutzt, eines der Häuser von den Großeltern und das zweite als "Kinderhaus". Im Sommer wohnen dort die Kinder mit dem Kindermädchen und ihrer Erzieherin. Im Winter leben die Kinder im Schloss. Durch eine Unfall stirbt der Vater 1882, so dass die 33-Jährige Witwe Mathilde Specht gezwungen ist, alleine das Hotel zu führen, um die Existenz der Familie zu sichern. Die zweite Grundlage der Existenzsicherung wird durch den Großvater gewährleistet, der für die Garten- und Feldarbeit die Verantwortung trägt. Ausbildung und BerufstätigkeitMinna Specht verbrachte ihre Schulzeit von 1884 bis 1894 in einer kleinen Reinbeker Privatschule, danach in einer höheren Mädchenschule in Bergedorf. Von 1896 bis 1899 wurde sie im Seminar der Klosterschule in Hamburg zur Lehrerin ausgebildet. die eng und formal gebundene Art, in der der Schulunterricht dort gelehrt wurde, stieß sie so ab, dass sie sich zunächst um eine private Stelle als Erzieherin bewarb. Von 1899 bis 1902 war sie Erzieherin zweier Töchter einer Familie des hinterpommerschen Landadels. Mary Henckel, eine der Lehrerinnen der Klosterschule, hatte inzwischen eine private Höhere Töchterschule in Hamburg gegründet und holte Minna Specht im Jahre 1902 als Lehrerin dorthin, wo sie volle Freiheit im Aufbau des eigenen Schulunterrichts zugebilligt erhielt. Hier entdeckte Minna Specht die Freude am Unterrichten. Noch im Alter hatte sie Kontakt mit manchen der damaligen Schülerinnen, die noch lange begeistert von den Geschichtsstunden mit Minna Specht erzählten. Minna Specht unterbrach ihre Berufstätigkeit ums sich als 27-Jährige weiterzuqualifizieren, nachdem es für Lehrerinnen mögliche wurde, sich in Universitätsstudiengängen zur Oberlehrerin ausbilden zu lassen. Sie studierte von 1906 bis 1909 in Göttingen - dazwischen ein oder zwei Semester in München Geschichte, Geographie, Geologie und Philosophie. In der Abschlussprüfung erhielt sie in allen Fächern "Sehr gut". Von 1909 bis 1914 war sie wiederum Lehrerin an der Schule von M. Henckel in Hamburg. Ab 1914 studierte Minna Specht ein zweites Mal in Göttingen, um ihr fachliches Repertoire um die Mathematik zu erweitern. Diese Ausbildung schloss sie ebenfalls mit dem Oberlehrerinnenexamen ab. In diesem zweiten Studium lernte sie den Philosophie-Dozenten Leonard Nelson kennen, dessen Ideen und pädagogische Konzeptionen ihren weiteren Lebensweg bestimmen sollten. Das Hauptbemühen des Philosophen Nelson galt der inhaltlichen Bestimmung und der wissenschaftlichen Begründung eines universellen Sittengesetzes, das als Idee der Gerechtigkeit die Beziehungen der Menschen untereinander verbindlich regeln soll. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass das Wesen des Menschen in seiner Würde besteht; die Würde des Menschen liegt in seiner Befähigung zur vernünftigen Selbstbestimmung. Für Nelson ist die Erziehung zur Freiheit, die mit dem gleichen Anspruch aller anderen Menschen auf Würde und Freiheit zusammen bestehen kann, in erster Linie Erziehung zur Pflicht: nämlich zur eigenverantwortlichen und aus eigener Einsicht vollzogenen Bereitschaft, die gleichberechtigte Würde des anderen jederzeit verbindlich zu respektieren. |
|
©
2001-2008 Philosophisch-Politische Akademie e.V.
|
||