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Erinnerung an Minna Specht

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Mitglieder und Freunde der Akademie

Politische und pädagogische Arbeit


Minna SpechtBiografisches

Kindheit auf Schloss Reinbeck | Ausbildung und Berufstätigkeit

Politische und pädagogische Arbeit
Der internationale Jugendbund | Internationaler Sozialistischer Kampfbund (ISK) | Widerstand gegen den Nationalsozialismus | Das Landerziehungsheim Walkemühle

Exil und Neuanfang
Minna Specht im Exil 1933-1946 | Die Odenwaldschule 1946-1951 | Unesco-Mitarbeiterin und Inspektorin der Landerziehungsheime 


Der internationale Jugendbund

Leonard Nelson und Minna Specht gründeten 1917 unter dem Eindruck des 1. Weltkrieges den Internationalen Jugendbund (IJB), der den Anspruch einer Erziehungsgemeinschaft mit dem Ziel hatte, den Vernunftgedanken in der Politik aller Staaten zum herrschenden Prinzip zu machen. Der IJB war eine Erziehungs- und Gesinnungsgemeinschaft, deren Mitglieder zu einer aktiven Mitwirkung in Organisationen der Arbeiterbewegung verpflichtet waren.

In einigen Frage wichen Specht und Nelson jedoch erheblich von der offiziellen SPD-Politik ab, was Ende 1925 zum Ausschluss aus dieser Partei führt. Unmittelbar danach wird der IJB in eine selbständige politische Partei, den "Internationalen Sozialistischen Kampfbund" umgewandelt.

Internationaler Sozialistischer Kampfbund (ISK)

Diese Partei verstand sich als Teil der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung. An die Mitglieder wurden strenge Forderungen gestellt, sowohl hinsichtlich ihrer Lebensführung wie auch ihrer politischen Aktivitäten. Nach dem Tod von Nelson übernahmen Minna Specht und Willi Eichler die Verantwortung für den ISK.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Ab 1931 wurde vom ISK die Tageszeitung "Der Funke" herausgegeben. Damit wurde der Versuch unternommen, den Nationalsozialisten entgegenzutreten. Minna Specht übernahm die Redaktion und das außenpolitische Ressort. Sie beteiligte sich an dem Plan, eine Einheitsfrontbewegung aller Arbeiterparteien gegen den Faschismus aufzubauen. Im Sommer 1932 organisierte der ISK eine Unterschriftenaktion in ganz Deutschland und plakatierte den "Dringenden Appell", um ein Wahlbündnis zwischen SOD und KPD zustande zu bringen. Dies wurde von den Sozialdemokraten als auch von den Kommunisten ignoriert. Der "Appell" wurde von sieben ISK-Mitgliedern, darunter Minna Specht, und linksliberalen und sozialistischen Persönlichkeiten, darunter Käthe Kollwitz, Albert Einstein und Heinrich Mann unterzeichnet worden. Durch eine Verhaftungswelle und zahlreiche Verurteilungen kam 1938 die Widerstandsarbeit des ISK zum Erliegen. Minna Specht geht bereits 1933 mit den Kindern der Walkemühle ins Exil.

Das Landerziehungsheim Walkemühle

Die Walkemühle (Melsungen), um 1925Das Landerziehungsheim Walkemühle bei Melsungen wurde 1922 gegründet und gliederte sich in eine Schule für Kinder und eine für junge Erwachsene. Von 1925 an wurde sie von Minna Specht geleitet.

Die Kinder genossen für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten. Der Unterricht erfolgte in kleinen Gruppen, die Lehrer wurden geduzt, das Schwergesicht des Unterrichts lag auf Beobachtung und Anleitung zum selbständigen und gemeinsamen Arbeiten. Am 1. Mai 1924 wurde der 1. Kurs für Erwachsene eröffnet. Zu den dreijährigen Kursen wurden junge Menschen aus den Ortsvereinen des IJB, später aus dem ISK ausgesucht. Die Walkemühle war vor allem eine Erziehungsschule. Dazu gehörte die praktische Arbeit in Haus, Küche, Werkstätten und Garten, die von Helfern geleitet wurde. Der Unterricht umfasste Naturwissenschaften, Geschichte, Volkswirtschaft, Politik und Philosophie. Die Schule war international, kannte keine Geschlechts- oder Rassenschranken.Unter der Leitung von Minna Specht und dem maßgeblichen Einfluss von Leonard Nelson wurden auf der Walkemühle einige Grundzüge der Landschulheime von Hermann Lietz übernommen:

  • Im Internat in ländlicher Umgebung spielte die Schulgemeinschaft eine herausragende Rolle.
  • Arbeit in Haus und Garten war als Gemeinschaftsarbeit organisiert.
  • Theoretische Arbeit wurde mit praktischer verbunden.
  • Angestrebt war - in heutigen Begriffen - "exemplarisches Lernen im Projektunterricht".
  • Bewertung der Schülerleistung erfolgte nicht über Zensuren, sondern anhand von Schülerberichten an "Prüfungstagen".
  • Literatur, Musik und Theater bereicherten an "Kapellenabenden" das bewusst einfach gestaltete Leben.

Andererseits war das schulische Konzept der Walkemühle zugleich bemerkenswert neu und eigenständig:

Rauschenplat (später Eberhard), Specht, Heckmann, Pohlmann (1928)

Lehrer der Walkemühle:
Helmut v. Rauschenplat (später Fritz Eberhard), Minna Specht, Gustav Heckmann und Julie Pohlmann (1928)

Foto 366x274 Pixel (17 KB)

  • Die mit der Philosophie von Kant und Fries begründete Ethik Leonard Nelsons machte den Hintergrund für die pädagogische Arbeit aus.
  • Die "sokratische Methode" im Unterrichtsgespräch, der "Weg des Selbstdenkens", die "Lebendigkeit, Klarheit und Schönheit der Wechselrede" bildeten wesentliche Schritte auf dem Weg zum "Ziel der Erziehung", der "vernünftigen Selbstbestimmung" (Nelson 1922)
  • Kostenfreier Schulbesuch wurde jedem geeigneten Kind, Jugendlichen und Erwachsenen ermöglicht.
  • Frauen und Männer galten als gleichberechtigt.
  • Akademiker und Arbeiter ebenfalls.
  • Eine antimilitaristische Einstellung prägte die Walkemühle. Nationalismus war ihr fremd. Im Melderegister sind Menschen aus zwölf Ländern und drei Kontinenten verzeichnet.
  • Vegetarismus bestimmte die Ernährung; laut Nelson sollten Tiere nicht zum Werkzeug menschlicher Lust gemacht werden.
  • Engagement in der Politik (bei Jungsozialisten, SPD und USPD, bei den Freidenkern und in Gewerkschaften) und Abstinenz von Alkohol und Nikotin prägten ebenfalls das Leben auf der Walkemühle.

Im März 1933 wird die Schule zwangsweise geschlossen und zeitweise von der SA besetzt. Minna Specht kämpft für einen Rechtsschutz. Im Spätsommer geht sie nach Dänemark und eröffnet dort, zunächst mit acht Kinder und zwei Lehrern, eine Emigrantenschule.

 

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